Wahrscheinlich einer der größten gastronomischen Bio-Umschlagplätze in Österreich, kulinarisch trotzdem top: das Gasthaus Seebauer am Ufer des Gleinkersees.

Es ist schon ein speziell idyllischer Ort, an den es uns hier – auf halber Strecke zwischen Linz und Graz – verschlagen hat: das smaragdgrüne Wasser des Sees, die hochaufragenden Berge im Hintergrund, die Wiesen und Wälder ringsum – kein Wunder, dass Gunda und Klaus Dutzler willens waren, das Gasthaus am Gleinkersee, auf ca. 800 m Höhe am Nordrand des Toten Gebirges gelegen, zu übernehmen, als vor einigen Jahren der Ruhestand von Gundas Eltern näher rückte.

© Manuel Fronhofer

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Die beiden Quereinsteiger (sie studierte Biologin, er Journalist beim ORF) bauten neu und aus. Machten das Gasthaus Seebauer zum Bio-Betrieb mit Anspruch an Qualität und Regionalität. Und gründeten überdies eine Landwirtschaft, in der Rinder und Schweine verantwortungsvoll gehalten werden. Das Beste von „Seekuh und Gleinkersau“ – jeweils seltene, alte Rassen wie etwa Pustertaler Sprinzen oder Turopolje – ist entsprechend auch die Krönung der Speisekarte, die das Selbstbedienungsrestaurant auf schwarzen Tafeln im Inneren sowie auf der großen Terrasse aushängen hat.

© Manuel Fronhofer

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Allem voran natürlich das Bratl mit warmem Krautsalat und Semmelknödel (€ 13,50): knusprige Kruste, zartes Fleisch, gschmackiger Saft, butterweiche Knödel, das Kraut mit feiner Kümmelnote – viel besser geht’s eigentlich nicht.

Der Rest der Küche orientiert sich ebenfalls an Klassikern und gibt sich dabei stets souverän. Das gilt auch für jene Gerichte, für die die Dutzlers Zutaten in der Region zukaufen. Ein Beispiel dafür: die gebratenen Saiblingsfilets (€ 15,60), deren fein schmeckendes, zartes Fleisch mit krosser Haut, Petersilkartoffeln und grünem Salat auf den Tisch kommt.

© Manuel Fronhofer

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Neben einer Handvoll vegetarischer Alternativen – von Gemüse-Hirselaibchen mit Krensauce (€ 8,20) bis Knoblauchnockerl mit Parmesan (€ 7,10) – sorgen Burger (€ 13,30), Gulasch (€ 9,–), Spaghetti Bolognese (€ 7,60) und kleinere Speisen wie Brote und Würstel für viel Auswahl bei großem und kleinem Hunger. Ganz ohne Convenience- oder Fertigprodukte.

© Manuel Fronhofer

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Wer bereits mit Vorspeise – sowohl die wunderbar würzige Rindssuppe mit Kaspressknödel (€ 4,50) als auch die Gemüsesuppe (€ 3,30) mit schön viel Einlage überzeugen – ins Essen gestartet ist, dem sei nach dem Hauptgericht ein weiterer Gang ans Herz gelegt: der um den See. Der 30- bis 40-minütige Bummel führt einem nochmals die ganze Schönheit dieses Ortes vor Augen. Und all das, was zum Gasthaus Seebauer dazugehört: Campingplatz, Bootsverleih, Liegewiese, Spielplatz und die Weide, auf der es sich die Rinder (einen ihrer einstigen Weidegenossen kennt man aus der ORF-Serie „Ochs im Glas“) gut gehen lassen. Einen Hochseilgarten gibt es auch in der Nähe. Alles sehr familienfreundlich.

Danach ist jedenfalls wieder ein bisschen Platz für die nichts weniger als herrlichen Riesenbuchteln mit Vanillesauce (€ 4,50) oder einen Topfenstrudel mit Wachau-Marille (€ 3,30). Man wird es höchstens einen Tag später auf der Waage, aber garantiert nicht in dem Moment bereuen, sich hier auch noch für ein Dessert entschieden zu haben.

© Manuel Fronhofer

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Dass vereinzelt Speisen und Getränke, vor allem aber Süßkram und Eis aus der Truhe nicht bio sind, mag ein Wermutstropfen sein. Aber sonst passt im Gasthaus Seebauer einfach sehr Vieles: Das Essen schmeckt, die Lebensmittel sind von höchster Qualität, die Portionen üppig, die Preise – wohl auch dank der eigenen Landwirtschaft – absolut fair, die Wartezeiten im Rahmen – sogar wenn mal viel los ist, was im Sommer bei mehreren Hundert Gästen pro Tag schnell der Fall sein kann. Und hab ich schon die idyllische Landschaft erwähnt?

Gasthaus Seebauer
4575 Roßleithen, Gleinkersee 2, +43 7562 75 03
Im Mai, Juni und September jeweils von 9 bis 18 Uhr geöffnet, montags Ruhetag; im Juli und August jeweils von 9 bis 18 Uhr geöffnet, kein Ruhetag; im Oktober bei Schönwetter an den Wochenenden von 11 bis 17 Uhr geöffnet