Fast perfekt: das Bio-Frühstück im „Hermitage Vital Ressort“, vormals bekannt als Hotel Lamplhof. Ein kleiner Schönheitsfehler am Buffet hat uns allerdings irritiert.

Unser letzter Urlaubstag in Kärnten, ideal für einen entspannten Abstecher an den Wörthersee – samt Bio-Frühstück im „Hermitage Vital Ressort“. Ich gestehe, die Gegend um den Wörthersee bislang bewusst gemieden zu haben. GTI-Motorengeheul lockt mich nicht. Und überhaupt: zu überlaufen, schickimicki und Fête Blanche. Doch alles hier widerlegt meine Vorurteile. Zuallererst springen und sprechen mich die blaugerahmten Verse meines Lieblingsdichters Joachim Ringelnatz an: „Aus meiner tiefsten Seele zieht mit Nasenflügelbeben / ein ungeheurer Appetit nach Frühstück und nach Leben.“

Die freundlich lächelnde, zuvorkommende, dabei aber angenehm zurückhaltende Bedienung; die locker verteilten Tische auf der Terrasse mit Blick über den See; die mediterrane Blütenpracht und in der Ferne das leise Zischen eines Rasensprenklers. Hier passt einfach alles. In diesem Refugium der Ruhe fühlen wir uns sofort erfrischt und willkommen. Wirklich schwer – das klärt gleich der erste Blick aufs Buffet – hat man es  hier wohl nur, wenn man sich für den ebenfalls angebotene „Fastenurlaub“ entscheidet. Dafür aber sind wir nicht hergekommen.

Ein opulentes „Best-Of“ aus dem Bioladen (c) Thomas Weber

Später, mit vollen Bäuchen auf dem Weg zum Seeufer hinab erwähnen die Kinder lobend, „dass da jetzt eigentlich gar nichts in Plastik verpackt war.“ Und es stimmt: Ein Buffet fast ohne Müll, das ist auch im Biobereich keine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht in verhältnismäßig großen Betrieben wie dem „Hermitage Vital Ressort“. Wobei zumindest der Kakao der Kinder im Tetrapak daherkam. Und wer zum veganen Aufstrich greift, etwa dem köstlichen Bruschetto von Zwergenwiese, bekommt ihn im Alutässchen dosiert. Davon abgesehen: kein Müll, stimmt. Und auf den Coffee-to-go im Einwegbecher zum Mitnehmen auf den Strand legen offensichtlich manche Gäste großen wert. Eindeutig besser schmeckt er ganz entspannt auf der Terrasse im Lilienporzellan.

Das Buffet ist durchaus opulent und präsentiert neben frischem Gemüse, Obst, Käse, Wurst, Brot und Gebäck vom Bäcker Nadrag gewissermaßen ein erlesenes Best-of aus dem Bioladen: Tees von Sonnentor, Müsli vom Zagler, Crunchy-Zerealien von Allos, Frucht- und Gemüsesäfte von Voelkel und Hasenfit und die Tiger-Nuss-Nougat-Creme von Rapunzel als biozertifizierten N***ella-Ersatz. Da weiß der geübte Bio-Genießer, was er oder sie kriegt. Einiges stammt aus der Region, der Honig von Imker Michael Allesch sogar direkt aus dem Ort. Die Hühnerfamilie von Magdi Baumgartner, deren Eier hartgekocht warmgehalten werden, sehen wir sogar auf einem Foto, prächtiger Gockel inklusive.

Umso irritierender dann, dass sich ganz oben auf den Eierkarton neben der Kochplatte, auf der wir Ham’n’Eggs selbst brutzeln, zwei Eier aus Bodenhaltung geschummelt haben. Zur Erinnerung: Seitdem Käfighaltung bei uns verboten wurde, ist Bodenhaltung aus Sicht der Tiere die schlechtestmögliche erlaubte Haltungsform für Legehühner. Wir erkennen sie anhand des direkt aufs Ei aufgedruckten Codes an der ersten Ziffer 2. Käfighaltung wäre 3. Eine Spur besser ist Freilandhaltung, erkennbar an der 1, wo die Tiere zumindest ins Freie dürfen. Die bestmögliche Form – Biohaltung – wird durch die Ziffer O gekennzeichnet und garantiert neben Auslauf mehr Bewegungsfläche, kontrolliertes Bio-Futter und untersagt außerdem, dass präventiv Antibiotika verfüttert werden. Darüber wollen auch wir uns beim Frühstück eigentlich keine Gedanken machen. Wir greifen natürlich zu den Bio-Eiern. Auch böse Absicht wollen wir keine unterstellen – dafür wirkt hier im „Hermitage Vital Ressort“ alles viel zu stimmig und durchdacht; von Marias Bio-Seife am Klo, den Demeter-Duftstäbchen bis zum Snackautomaten, der neben den zwei obligatorischen Marlboro-Sorten ausschließlich Bioschoko, Biochips, Biobier und Biolimonaden parat hält. Auch warum der Apfelsaft „nicht bio-zertifiziert“ ist, wird korrekt ausgelobt und auf einem Schild schlüssig erklärt: „Die Natur meint es gut mit uns: 550 Liter Apfelsaft haben wir 2015 von unseren eigenen Apfelbäumen gepresst. Natur pur – nur kurz erhitzt. Das sind echte Lebens-Mittel.“ Aber wie in dieses sonst rundum stimmige Biobuffet plötzlich Bodenhaltungseier gelangen können, bleibt offen – und irritierend.

Eindeutig die positivste Entdeckungen neben dem appetitlich angerichteten, köstlichen Porridge sind allerdings die beiden „Olga“-Heumilch-Joghurts vom Biohof Kumr . Wunderbar wassrig etwa das Vanillejoghurt oder die leicht herbe Mocca-Variante. Wäre es nicht schon unser allerletzter Urlaubstag gewesen, unglaublich heiß und damit perfektes Badewetter, wir hätten spontan nach Ludmannsdorf/Bilcovs geschaut und dem Hof der slowenisch-deutschen Biobauernfamilie einen Besuch abgestattet. Die Joghurts hinterlassen jedenfalls bleibenden Eindruck. Nach dem Frühstück zum See hinuntergerollt, ans Ufer des – leider nicht bio-zertifizierten, gerade frisch eröffneten – „Südsee“-Bistros von Haubenkoch Hubert Wallner  notieren die Kinder: „Es war sehr lecker, vor allem das Joghurt. (…) Gegenüber ist ein tolles Bad.“ Dem wäre nichts mehr hinzuzufügen.