Auf 1804 Metern Seehöhe gelegen, setzt das Karl-Ludwig-Haus auf Bio und mehr als nur Hüttenklassiker. Die Anreise mag nicht ganz unbeschwerlich sein, es zahlt sich aber aus, genau hier einzukehren.

© Manuel Fronhofer #withhonor6

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Im Karl-Ludwig-Haus auf der Rax essen zu gehen, ist als Erlebnis nicht davon zu trennen, dass es dafür der Überwindung einiger Hundert Meter Seehöhe bedarf. An den Ansprüchen von Bergsteigern und -wanderern orientiert sich entsprechend auch die Ausstattung der Berghütte. Funktionalität geht vor, übermäßigen Luxus erwartet hier aber eh niemand. Und wenn sich die abgekämpften und gleichzeitig glücklichen Menschen in ihrer Funktionskleidung über die Teller beugen, macht sich im robust-rustikal eingerichteten Gastraum eine gewisse Heimeligkeit breit. Wohl noch mehr, wenn’s draußen kälter (und finster) wird und die Flammen im Holzofen – vom Knacken und Knistern der Scheite begleitet – vor sich hinflackern.

© Manuel Fronhofer #withhonor6

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Sofern es Wetter und Auslastung zulassen, sitzt man aber ohnehin bevorzugt auf der Terrasse, wo einem der Ausblick noch einmal deutlich macht, was für eine lohnende Anstrengung man hinter sich hat: Wer den direkten Weg vom Preiner Gscheid zum Karl-Ludwig-Haus wählt, ist gut und gerne zwei bis zweieinhalb Stunden unterwegs – auf Trittsicherheit und Ausdauer fordernden Steigen. Alternativ lässt sich die Hütte auch in ca. drei Stunden vom anderen Ende des Rax-Plateaus, von der Bergstation der Seilbahn aus erreichen. Fürs „Hüttenhüpfen“ warten da oben neben dem Karl-Ludwig-Haus übrigens noch fünf weitere Stopps.

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Aber zum Wesentlichen: zum Essen. Erst einmal an der Theke angestellt – wir sind schließlich in einer Berghütte –, um mit den freundlichen Herren vom Service die Bestellung zu besprechen. Es ist wohl der erschwerten Versorgungssituation (via Gondel) zuzuschreiben, dass manches gerade „aus is“. Aber die Speise- und Getränkekarte bietet einige Alternativen – für fast alle Ernährungsformen.

© Manuel Fronhofer #withhonor6 edf

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Die Gerichte lassen nicht übermäßig auf sich warten. Dass Vor- und Hauptspeisen gleichzeitig serviert werden, ist der Art des Betriebs (oder der Bestellung) geschuldet. Dafür gibt der volle Tisch dann ein umso üppigeres Bild ab. Und das Essen sieht nicht nur gut aus: Die Karotten-Ingwer-Suppe (vegetarisch, € 4,10) besticht mit leichter Schärfe – besonders gut, wenn man sich aufwärmen will. Dazu passt bestens eine Scheibe vom hausgemachten Weißbrot (extra zu bestellen, € 0,70), leicht getoastet und mit einem betörenden Hauch Rosmarin. Der sehr kräftige Rindersuppeneintopf korrigiert den Energiehaushalt (€ 4,40 als Vorspeise, € 7,90 als Hauptspeise) – das Wurzelgemüse noch leicht knackig, auch die Hörnchen-Nudeln nicht zu weich, und das Suppenfleisch ist halt ein Suppenfleisch.

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Der Mexikanische Bohneneintopf (vegan, € 7,90) ist weniger feurig als erhofft, aber Schärfe ist natürlich subjektiv, und die Käferbohnen drinnen überraschen, wenngleich noch ein wenig fest, durchaus positiv. Auch das Tagesgericht Mediterraner Gemüsetopf mit Couscous (vegan, € 10,90) schmeckt. So richtig super ist dann aber das Bratl aus dem Holzofen (€ 13,90). Es kommt klassisch daher: mit butterweicher Semmelknödel, knackigem Krautsalat und g’schmackigem Saft. Ein Genuss!

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Dazu zum Beispiel ein natürlich-fruchtiges Kracherl (0,35 l, € 3,10) von der Zitrone oder der Himbeere oder, wenn man’s gerne herb mag, Waldmeistersirup aufgespritzt (0,5 l, € 3,90) – alle drei hausgemacht. Mehr als zehn Weine und sieben Biersorten (das Fassbier Velkopopovický Kozel als einziges nicht bio) gäbe es auch. Und zum Verdauen natürlich ausreichend Hochprozentiges, das ausnahmsweise zu ca. einem Drittel aus konventioneller Herstellung ist. Jedenfalls gehen hier auch die Getränke weit über Hüttenstandard hinaus.

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Und danach noch etwas Süßes: der gleichermaßen flaumige wie mürbe Kaiserschmarrn (vegetarisch, € 10,90 als Hauptspeise, € 6,90 als Nachspeise) mit frischem Kompott und die Dinkel-Bananen-Schnitte (vegetarisch, € 3,90) mit Vanille-Topfen-Creme und dezenter Zitrusnote – extra fein! Wer keinen Kaffee trinkt, kann dazu die herrliche Bio-Dinkel Weisse (0,5 l, € 4,40) aus der oberbayrischen Brauerei Unertl genießen. Das passt richtig gut.

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Bio oder nicht – und es fällt hier fast alles in erstere Kategorie – ist in der Karte vorbildlich ausgewiesen und auch die Herkunft der Zutaten ist gut dokumentiert. Hüttenwirt Gerold Hubmer ist noch dazu um Regionalität der Produkte bemüht.

Also: Festes Schuhwerk, Regen- und Sonnenschutz einpacken, vielleicht noch einen Schlafsack – die Frühstücksangebote im Karl-Ludwig-Haus lesen sich auch sehr verlockend – und rauf auf die Rax!

Karl-Ludwig-Haus
8691 Kapellen, Rax 7, +43 2665 380
Ab Mitte März bei günstigem Bergwetter samstags und sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet; von 1. Mai bis 1. November durchgehend geöffnet – Frühstück von 7 bis 9 Uhr, warme Küche von 11 bis 20 Uhr