Gottfried Laglers Begeisterung für Sprossen hat die Pizzeria Figaro zu einem inspirierenden Ort werden lassen, an dem man gut und gesund essen kann.

© Jana Wachtmann

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Man muss schon sagen, es ist ein eher ungewöhnliches Lokal, um das es hier geht. Es beginnt beim Namen – oder bei den Namen: Pizzeria Figaro wäre noch nicht so überraschend. Solar-Café (wegen der Art der Energiegewinnung) dann schon etwas mehr. Vor allem in Kombination mit dem Zusatz „Der In-Treff für Biker- und Motorrad-Fahrer“ wirken aber beide überraschend. Und schließlich noch das besondere Herzensthema, das sich – neben Bio – durch die Speisekarte zieht: Sprossen. Oder, wie es in der Pizzeria Figaro heißt: „Sprossen fürs Leben“. Inhaber Gottfried Lagler spricht sogar vom „grünen Gold“, in der Überzeugung, dass kein anderes Lebensmittel dem Menschen mehr Lebensfreude und Lebenskraft schenke.

© Jana Wachtmann

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Lagler beschäftigt sich bereits seit dreißig Jahren mit dem Thema, im Interesse der Gesundheit stellte er – in der privaten wie in der Wirtshausküche – bis auf wenige Ausnahmen auf Lebensmittel in Bio-Qualität um. Mit selbst gezogenen Sprossen als ergänzende Zutat, die er im Vorwort seines Kochbuchs als bemerkenswerten Durchbruch für sein eigenes Wohlbefinden beschreibt.

© Manuel Fronhofer

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Doch zurück zum Lokal. Unweit der A2 gelegen, im kleinen, zur Stadtgemeinde Gleisdorf gehörenden steirischen Örtchen Wünschendorf, begrüßt einen schon am Parkplatz eine übergroße Sprossenskulptur. Im Inneren macht die Pizzeria Figaro einen gemütlichen, aber erneut überraschenden Eindruck: ein bisschen Beisl, ein bisschen Pizzeria (mit dem Steinofen für die Gäste gut einsehbar), ein bisschen Museum. Ja, Museum. Bis zum letzten Winkel ist hier nämlich alles mit alten Werbetafeln, Bierfässern, Skiern, Radios und sonstiger Gerätschaft vollgestellt bzw. -gehängt. Den Gastgarten bewacht ein Gartenzwerg, daneben ein paar Kunstobjekte.

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Neben guten Pizzen mit teils recht gewagten Auflagen serviert das freundliche Personal – das verwendete Du wirkt im Figaro total stimmig und sympathisch – auch Nudel- und Fischgerichte, Salate in verschiedensten Größen sowie Suppen. Dass das Angebot für Vegetarier groß ist, verwundert nicht. Aber auch Veganer, Rohköstler, Menschen mit Glutenunverträglichkeit und natürlich Karnivoren werden hier etwas für sich finden.

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Beispiele gefällig? Die cremige Alfalfa-Suppe (€ 4,50) mit Sprossencrackern eignet sich als leichter Einstieg. In der Zubereitung auf nicht mehr als 40 °C erwärmt, bleiben die wichtigen Nährstoffe von Avocado, Tomaten und Sprossen unbeschadet. Grün, gesund und auf eine interessante Weise gut. Die Sprossenschöberlsuppe (je nach Portionsgröße € 2,20 oder € 3,20) aus Wurzelgemüse ist etwas zu lind geraten, dafür kommt so das Frische der Sprossengarnitur umso mehr zum Tragen.

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Die vegane Eierschwammerl-Pizza (€ 13,90) – der Pizzateig ist schön dünn und kross – überrascht mit Tofustreifen, Basilikumpesto und leicht süßlichen Zwiebelringen. Ebenfalls schmackhaft: die Pizza Anna Maria (€ 10,90) mit Sprossen und gekeimten Hülsenfrüchten („Knuspermix“) im Teig. Dazu hauchdünn geschnittener Rohschinken, der – genau wie eine zusätzliche Handvoll Sprossen – nach dem Backen auf die Pizza kommt.

© Manuel Fronhofer

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Das Bio-Forellenfilet „Triestiner Art“ (€ 16,90) ist auf der Hautseite superknusprig und innen drin wunderbar zart. In der Pfanne gebraten bringt es vielleicht eine Spur zu viel Butter mit auf den Teller (und ein bisschen zu wenig Salz), aber die Petersilerdäpfel gleichen das eigentlich ganz gut aus (und man kann ja nachwürzen). Der Fisch stammt übrigens aus nachhaltiger, ökologischer Zucht.

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Als Nachspeise gibt’s für uns warme Apfelknödel mit Eis (€ 5,50), bei denen die Frucht den schön mürben Teig leicht säuerlich schmecken lässt. Und dann noch Topfenknödel mit Schokofülle (€ 6,90): etwas fester als erwartet, aber mit Zwetschkenröster an ihrer Seite gehen sie gut über den Gaumen. Das Beste daran: Auch beim Süßen hat man hier nicht das Gefühl groß zu sündigen.

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In der Getränkekarte ist viel Konventionelles zu finden – vom Mineralwasser bis zu den Cocktails –, aber auch Bio-Säfte und Makava (0,25 l, € 2,60), diverse heiße Bio-Schokoladen, Bio-Kaffees sowie Bio-Bier von Hirter (0,5 l, € 3,30) werden angeboten.

Das Lokal ist übrigens vor fünf Jahren als erste und bislang einzige Pizzeria mit der Grünen Haube ausgezeichnet worden. Damit soll das breite Angebot an vollwertig-vegetarischen Gerichten und die geschmackliche Kreativität gewürdigt werden. Außerdem hat man heuer das 25-jährige Bestehen gefeiert. Möge die spannende Geschichte des Figaro noch lange weitergehen, man kann sich hier nämlich Inspiration fürs (gesunde) Leben holen.

© Jana Wachtmann

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Für Interessierte: „Sprossen – Das Kochbuch“, das Gottfried Lagler gemeinsam mit dem steirischen Haubenkoch Hans Peter Fink verfasst hat, ist in der Edition Styria erschienen und im Buchhandel erhältlich. Sowie natürlich auch in der Pizzeria Figaro, wo überdies Zubehör und Samen für die Sprossenzucht angeboten werden – für Sprossennotfälle sogar in einem Automaten vor dem Lokal.

Pizzeria Figaro
8200 Gleisdorf, Wünschendorf 190, +43 3112 61 73
Dienstags bis samstags von 10 bis 22 Uhr geöffnet, durchgehend warme Küche von 11 bis 21 Uhr, an Feiertagen von 11 bis 20 Uhr