Man kann europaweit mit Recht behaupten, daß Wien die Hauptstadt der Weihnachtsmärkte ist. Es gibt kaum eine betonierte Freifläche über 50m2, auf der nicht ein paar Punschhütten aufgebaut sind. Aber in der Masse heben sich ein paar wenige Locations positiv ab. Unseren Favoriten am Karlsplatz haben wir besucht.

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Einige Wiener Adventsmärkte, die zumeist schon Mitte November öffnen, bestechen vor allem durch ihre sagenhafte Kulisse. Neben dem Rathausplatz und dem oberen Belvedere gehört da zweifelsohne auch der vom Kunstverein Divina Art organisierte Adventsmarkt am Karlsplatz dazu. Hier gibt es weder Kitsch noch Klumpert und erst recht kein Junkfood. Der Verein wählt gezielt kleine Kunsthandwerksbetriebe aus und sucht bewusst nach affinen Gastronomiebetrieben, die sich nach Möglichkeit an nachhaltigen Kriterien orientieren.

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Statt laut tönenden elektrisch betriebenen Kinderattraktionen gibt es zwischen Karlskirche und Künstlerhaus ein witziges Ringelspiel aus alten Fundgegenständen, das mit Fahrrädern betrieben wird oder eine Traisinenbahn, bei der die Kinder selber treten müssen. Daneben gleich ein Streichelzoo und Unmengen an Heu, die den Kleinsten den fehlenden Schnee für winterliche Tollereien ersetzen. Man findet hier aber auch Bekleidungsgeschäfte wie den fairen Shop von Zerum, die hier ihre bedruckten Bioshirts und diverse Accesoires verkaufen.

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Und hat man dann mal ein passendes Geschenk gefunden, kann man sich dieses am Infostand von Global 2000  umweltgerecht und kostenlos verpacken lassen. Das FSC Weihnachtspapier kommt hier von der Waldviertler Druckerei Janetschek, die auch hier neue Ökostandards setzen.

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Nach einem kleinen Spaziergang durch die Kunsthandwerkstände wird es nun aber endlich Zeit für einen Punsch. Da zieht es mich zu Michael Högler vom Lukashof. Bereits seit 21 Jahren hat seine Familie jährlich einen Fixplatz am Markt.

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Der Lukashof, wo seit 1989 rein biologisch gearbeitet wird, betreut aber nicht nur den traditionellen Stand mit all den Pestos, Chutneys, Essenzen und Kürbiskernknabbereien die am steirischen Biohof produziert oder veredelt werden. Der eigentliche Blickfang ist der große Putschstand, den man von der U-Bahnstation kommend kaum übersehen kann. Viele Produkte werden auch hier in biologisch zertifizierter Qualität angeboten. Das Biobrot kommt vom SlowFood-Bäcker Helmut Gragger, die Aufstriche werden am Lukashof selber hergestellt. Sämtliche Alkoholfreie Getränke, insbesondere der Kinderfrüchtepunsch sind bio. Bei Glühwein und Punsch ist man aber an Grenzen gestossen, die man entweder finanziell oder auf Grund der erforderlichen Mengen nicht stemmen kann. Der Glühwein kommt vom Schilcher und wären die Mengen in Bioqualität bei weitem nicht ausreichend, um den Bedarf an den 4 Wochen vor Weihnachten zu decken. Und den Punsch mit Bio-Rum zu verschärfen, würde den Preis in eine Gegend treiben, der gerade noch vorweihnachtlich shoppenden russische Oligarchen Spass macht.

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Und wenn ich Michael Högler frage, ob er sich auf den Heiligen Abend freut, dann seh ich das Funkeln in seinen Augen, das man gewöhnlich nur kleinen Kindern nachsagt. Weihnachten, das sind für ihn die ersten freien Tage nach 5 Wochen am Wiener Weihnachtsmarkt.