Es ist schon wieder über 20 Jahr her, dass Josef Floh den Gasthof seiner Eltern übernommen und später umgebaut hat. Mit Leidenschaft und Beharrlichkeit hat er Der Floh zu einem Lokal gemacht, in dem die Qualität der Produkte nicht von ihrer Regionalität zu trennen ist. Das gilt nicht nur für die verarbeiteten Zutaten, sondern auch die Einrichtung und die Offenheit und Transparenz mit der hier präsentiert wird. Zwei Stühle im Eingangsbereich laden ein, dem Koch bei der Arbeit zuzusehen – und das ist hier nicht nur eine Geste, sondern Programm. Vorbildlichst einfach lassen sich Lieferanten herausfinden und erfragen und werden im kleinen Shop im Lokal deren Produkte zum Kauf angeboten. Und: Bis auf den Champagner und ein paar Weinen auf der viel gelobten Weinkarte, ist hier wirklich alles Bio.

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Gebeizter Seesaibling

Die Karte strotz vor – deutlich ausgestellter – Kreativität und Individualität. Da darf die Handschrift dominieren und das Gemüse gern die Hauptrolle spielen. Keine Kompromisse gibt es auch bei Fleisch und Fisch.

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Bio-Forelle

Weil man selten in die Gegend kommt, entscheiden wir uns für das Radius 66-Menü – einer selten guten Idee: alle Zutaten für dieses 6-Gänge-Menü kommen aus einem Umkreis von maximal 66 Kilometer. Zum Start gibt es einen gebeizten Seesaibling mit Tomatenvielfalt, zum Beispiel als schmackhafter Sud oder krönender Schaum. Die Kaspressknödel auf Rucola Pesto gelangen nicht zuletzt durch die Walnuss-Apfel-Vinaigrette in Begleitung. Vor dem Hauptgang folgt noch einmal Fisch: eine Bioforelle mit Zweierlei vom Brokkoli in der Pfanne geschwenkt. Hier ist besonders erfreulich, dass auch einmal der Brokkoli-Strunk genutzt wird und nicht nur die schönen Röschen. Denn, ja, auch der Strunk schmeckt. Als Hauptgang nun – der Saison entsprechend – Hirsch in Variationen aus rosa Filet, ebenso wie als Maisenknödel. Als Beilage Griesknödel. Auf dem braunen Teller war die dichte Sauce schwer sichtbar, dafür aber umso intensiver im Geschmack. Leider doch enttäuschend war die zweite Variante des Hauptgangs: Beim Bestellen hatten wir den Wunsch nach einem fleischlosen Menü, bei dem aber Fisch ok ist, geäußert. Geworden ist es dann eine doch müde Portion Steinpilze, aufpeppt mit Spinat. Während die Speisekarte vor kreativen Gemüsegerichten strotzt und zeigt, welche Variationen und Verarbeitungsmöglichkeiten möglich sind, lässt das Menü an diesem Tag in der fleischlosen Variante aus. Bei unserem Besuch war es die erste Vorspeise mit den spannenden Tomaten-Variationen mit der der Floh sein Können gezeigt hat.

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Zweierlei Hirsch

Umso mehr zaubert die Küche dann aber bei den Desserts. Zuerst ein aus neun Jahre altem Balsamico angerichtetes Sorbet, begleitet von Wacholder-Biset, Kirschfrüchten und Kuchenbrösel. Anschließend noch Dessert Nummer zwei: so von uns noch nie gegessene Kürbisvariationen mit Sauerampfereis (grandios!), Kürbisnougat, Vanille und anderen Köstlichkeiten. Diese Nachspeise war auch optisch ein Genuss! Zumindest bei diesem Besuch waren die beiden Desserts die kreativen Highlights des Menüs.

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Balsamico-Sorbet

Der Floh, nördlich von Wien in Langenlebarn vor Tulln gelegen, ist in vielerlei Hinsicht ein vorbildliches Lokal in dem Nachhaltigkeit und Regionalität gelebt werden. Die Preise sind entsprechend der Küche gehoben, bleiben aber nachvollziehbar. 58 Euro kostet das sechsgängige Radius 66-Menü. Für unter 10 Euro bekommt man bis auf Suppen und kleine Snacks wenig, Vorspeisen und Hauptspeisen gibt es ab 9,4 Euro (Kalbszüngerl, Gulasch, Schnitzel oder Backhendl). Hauptspeisen mit Fisch oder Fleisch landen nicht unüblich in dieser Qualität zwischen 25 und 30 Euro, Gemüse-Hauptgerichte gibt es darunter.

Das junge Personal arbeitet zuvorkommend, höflich und wissend, die Ausstattung ist willkommen anders, individuell im Design und lässt dabei keinesfalls persönlichen Touch und Geschmack missen. Und vor dem Haus gibt es eine E-Tankstelle. Wer mehr über die Zutaten wissen will, wird darüber etwa in Videos auf den Toiletten aufgeklärt in denen die Betreiber die Lieferanten besuchen. Das Menü hat an diesen Tag unsere Erwartungen, die in erster Linie die schöne Speisekarte selbst geweckt hat, nicht ganz getroffen. Als Lokal hat sich Der Floh aber absolut empfohlen und ist jeden Ausflug immer wieder wert.  

Der Floh Gastwirtschaft-Langenlebarn; Tullnerstraße 1; 3425 Langenlebarn