Der gesellschaftlich positive Schwung des Song Contest soll genutzt werden, die Begriffe Nachhaltigkeit, Regionalität und Bio mitzutransportieren. Der ESC als Green Event. Eh schön!

Der ORF organisiert den gerade statt findenen Eurovision Song Contest in Wien als Green Event. Oder was sich das offizielle Österreich halt darunter vorstellt. Ein Zertifikat, das man gern hinterfragen darf – das prinzipiell aber auch einfach mal begrüßt werden kann. Denn grundsätzlich geht es dabei um allerlei willkommene Dinge: Klima- und Ressourcenschutz, regionale und nachhaltige Produkte, Barrierefreiheit oder auch die Kommunikation all dieser Maßnahmen. Dafür sorgen dann auch ORF General Alexander Wrabetz, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter oder auch Umweltstadträtin Ulli Sima als Absender.

ORF / Milenko Badzic

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Letztlich lässt sich aber wenig von diesen Initiativen und Bemühungen anschaulich zeigen, weswegen der ORF kurz vor dem Event des Jahres Journalisten einlud, sich durch einen kleinen Teil des Caterings zu kosten. Bis zu 20.000 Gäste werden in den kommenden Wochen hier kulinarisch versorgt, 3.000 davon als VIPs – es sind in erster Linie die Delegationen aus den 40 Nationen. Geboten werden ihnen insgesamt rund 150 Speisen. Eine Möglichkeit, um Österreich als Bio- und Genussland zu präsentieren.

Umgesetzt wird das Catering vom Unternehmen Impacts. Als qualitätssichernde Partner wurden Bio Austria, Genuss Region Österreich, die Österreichischen Bundesforste und das Land Burgenland gewonnen. Letztere liefern den Wein, Paradeiser oder auch Honig. Die Bundesforste steuern rund 3.000 Fische (1 Tonne) aus ihrer Wildkultur im Ausseer Land bei. Bio Austria vertritt die heimischen Bio Produzenten: Von diesen stammen etwa alle beim Song Contest verwendeten Milchprodukte und insgesamt sind rund 30% der verwendeten Nahrungsmittel Bio-zertifiziert.

ORF / Milenko Badzic

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Es ist natürlich super, dass 30% Bio sind. Und wir haben auch Respekt davor, dass die Ausmaße in denen der ORF und seine Partner hier arbeiten riesig sind und jede Verbesserung zählt. Aber ein bisschen Bio ist – gerade wenn man es so speziell ausloben möchte – eigentlich auch immer ein bisschen zu wenig. Dass nicht alle Speisen der Verkostung dann wirklich so gut schmecken, wie die angepriesene Qualität ihrer Zutaten versprechen, liegt dafür wohl zum einen eher an den sicher nötigen Warmhalte-Behältern und zum anderen daran, dass sie massentauglich in die Mitte vieler Geschmäcker zubereitet sind. Ein bisschen mehr Mut hätte hier gut getan: Bio-Roastbeef und Bio-Spargel mit Sauce Bearnaise werden einfach keine aussagekräftigen Botschafter österreichischer Küche mehr.