Wir haben den Flachauerhof Mitte Oktober besucht. Es war kurz vor dem Ende der Sommersaison und bei der Reservierung wurde uns schon angekündigt, dass aus diesem Grund nur noch eine reduzierte Karte angeboten wird. Ein Traum aber schon die Anreise: Der erste Vorgeschmack auf die kommende Winter-Saison, inszeniert wie ein touristischer Werbespot:.Die Berge ringsum waren mit dem ersten Schnee überzuckert und während wir uns Flachau näherten ist die Abendsonne nochmals durch die Wolkendecke gebrochen. Der Ort im Salzburger Pongau gehört ja zur Region Ski Amade und damit zu einem der größten Schigebiete des Landes.

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Etwas verspätet kamen wir an, wurden von der freundlichen jungen Dame an der Rezeption gleich mit Namen begrüßt und auch Patron Wilfried Hartl war für ein Willkommen zur Stelle. Gerne hätte man uns erst im Dezember begrüsst, die Gaststube würde bis dahin renoviert werden und die Karte zum Start der Wintersaison mit noch mehr innovativen Gerichten ergänzt. Zur angekündigten kleinen Karte gab es dann überraschenderweise noch ein 5-gängiges Genussmenü (€ 27) mit drei möglichen Hauptspeisen. Das lag wohl an der 40 köpfiges Reisegruppe, die sich im Nebenteil des Restaurants eingefunden hat. Ergänzend konnte man auch eine Tomatensuppe (€ 4,90) oder Lasagne bestellen.

Mit Bio nimmt man es im Flachauerhof sehr ernst. Das Frühstück ist ganz nach dem Konzept des Bioparadies Salzburger Land als 100% Biofrühstück deklariert. Bei den Tagesgerichten und der A la Carte Auswahl wird der Großteil als biozertifiziert ausgelobt. Zusätzlich setzt Küchenchef Patrick Schlierenzauer auf regionale Produkte. In der Karte sind die meisten Lieferanten angeführt und genau aufgelistet, welche Produkte alle in Bioqualität verwendet werden. Auch vegane Gerichte sind im Menü gut gekennzeichnet.

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Salzburger Bio-Frühstück

Wir starteten mit einem Vorspeisenteller vom Buffet mit Räucherlachs mit Senfdressing, einer hausgemachten Gemüse-Mayonnaise mit Curryhuhn und einem gefüllten Ei. Dazu wurde Bio-Weißbrot von der Bäckerei Steinbauer gereicht. Die Mayonnaise selbst trat nicht in den Vordergrund, so konnte man sich gut auf den Geschmack des Gemüses und des Huhnes konzentrieren. Das gefüllte Ei weckte Jugenderinnerungen, die Creme war etwas pikant und sehr schmackhaft. Das Bio-Weißbrot ist ein Gedicht, resch und mit vollem Geschmack. Wir waren uns einig, schon lange kein so gutes Weißbrot mehr gegessen, für sich selbst schon ein Geschmackserlebnis.

Die Tomatensuppe war von breiiger Konsistenz, gerade richtig, nicht zu süß und nicht zu scharf, es kam gleich ein Gefühl von Sommer und Italien auf.

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Die Minestrone vom Menü bestand aus regionalem und saisonalem Gemüse, mit einer zarten, angenehmen Schärfe. Da sie ohne Nudeln gereicht wurde, war auch unsere Veganerin begeistert. Das Hirschragout vom heimischen Wild als Hauptspeise wurde mit zwei Scheiben Serviettenknödel und zwei Bündchen grüne Fisolen mit einem Speckmantel serviert. Das Fleisch machte einen kompakten Eindruck, war aber butterweich und zart. Der Knödel von feiner Konsistenz. Die Fisolen waren etwas zu al dente, was aber dem Gesamtgeschmackserlebnis keinen Abbruch tat. Dazu gab es einen roten Zweigelt vom Bio Weingut Harter aus dem burgenländischen Weiden am See – gut temperiert und gerade richtig zum Wild.

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Die vegane Hauptspeise Chili SIN Carte (€ 12,90) wird mit gedörrtem Maisbrot serviert. Genau so soll ein Chili sein, auf gute Art scharf und würzig sein. Das gedörrte Maisbrot gibt uns etwas Anlass zum Rätsel raten – Pumpernickel oder Maisbrot? Das Geschmackserlebnis war interessant und ziemlich pikant, aber nicht ganz unser Fall.

Nach den Hauptspeisen – die teilweise etwas zu lauwarm serviert wurden – ging es in den Himmel der Nachspeisen. Das Genussmenü bot als Dessert Mohr im Hemd auf Schokoladespiegel. Das kleine, feine Schokoküchlein schmeckte nach viel Schokolade und einem Hauch von Elisenlebkuchen, ein würziger Vorgeschmack auf die Weihnachtszeit. Das Eis sparten wir uns, es hatte schlichtwegs keinen Platz mehr. Die vegane Nachspeise Avocado-Schokomousse (€ 8,50) schmeckte kräftig nach Schokolade mit einem wunderbar herben Unterton von frischen Walnüssen.

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Die Kuchen- und Dessertvariationen waren so gut, daß wir uns gar noch ein paar Stücke mit nach Hause (Gojibeeren-Kuchen um € 5,50) genommen haben. Der wurde sogar in einen nachhaltigen 100% kompostierbaren Karton gepackt (innen drinnen aber dann Albfolie?). Zusammenfassend ein Wohlfühl-Abend in einem angenehmen Ambiente. Das Personal auch am letzten Tag der Saison noch herzlich und aufmerksam. Nachfragen in der Küche oder spezielle Wünsche ob der Wassertemperatur wurden freundlich erfüllt.

Die Küche kann man als erdig, bodenständig bezeichnen mit überraschenden und feinen Geschmackserlebnissen. Sehr positiv zu bewerten, ist der niederschwellige Zugang zu Bio und veganen Speisen. Wir trauen uns zu behaupten, auf der Karte des Flachauerhofes ist für jeden Geschmack etwas dabei, auch auf dieser kleinen Karte. Damit macht man alle glücklich – quasi ein Gasthaus für die ganze Familie. Egal ob Fleischtiger, Vegetarier/VeganerIn, Allergiker oder Rohkostliebhaberin.

Was wollen wir dem Flachauerhof mitgeben? Ein veganes Kekserl zum Kaffee würde uns viel mehr Freude machen als das abgepackte Milka Snap. Die Auswahl der Öle für das Salatbuffet ist reichlich, würde uns aber mehr freuen, wenn sie von kleinen, lokalen Produzenten kämen und nicht von einem internationalem Gewürzhaus.

Hotel Flachauerhof

Flachauerstr. 157; 5542 Flachau  info@flachauerhof.at