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Am Weissensee muss man einfach einmal gewesen sein. Die Kärntner Region Weissensee zählt zu den Alpine Pearls, Urlaubsdestinationen, die sich besonders nachhaltig positionieren. Den See kann man zum Beispiel sehr leicht öffentlich erreichen. Vom Urlaub am Biobauernhof über das wunderbar familiäre Biohotel Gralhof bis zum exklusivsten Biohotel Österreichs, dem Weissenseer Hof, haben sich auch die meisten Unterbringungen zu ökologischen Vorzeigebetrieben entwickelt. Und kommt man mit dem Auto, dann kann man es getrost über die gesamte Urlaubszeit abgestellt lassen, es wird ein kostenloser Busshuttle für Gäste zu allen wichtigen Punkten angeboten. Und das wissen die Gäste auch zu schätzen: Es ist angenehm ruhig, und die steil abfallenden Berge um den See vermitteln ein tolles Gesamtbild, daß weit hinten am Ostufer schon fast wie in einem norwegischen Fjord anmutet.

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Der Gipfel der Genüsse – und das ist in diesem Sinne wirklich sprichwörtlich – befindet sich aber etwas weiter oben am Berg. Die Naggleralm liegt etwa eine Stunde Fussweg von der Talstation des Sesselliftes bergwärts. Klar könnte man auch mit dem Sessellift hinauf, aber das köstliche Essen bei Almut Knaller und ihrem Team will sich ja auch verdient sein. Steil ist der Weg nicht, eher eine gemütliche Forststrasse, die man im Winter sicher auch gut talwärts rodeln kann. Und immer wieder dieser tolle Blick hinunter auf den See. Oben angekommen findet man die Restauration am Fusse der Alm, eingezäunt ob der weidenden Tiere und mit einem angrenzenden Indianertippi. An schönen Tagen kann es manchmal schwer sein, einen Platz auf der großzügigen Terrasse zu finden. Denn wer einmal angekommen ist, der will so schnell nicht mehr weg von der Naggleralm. Dazu zählen ausser der tollen Lage und dem sympathischen, internationalen Team um Almut sicher auch die kulinarischen Genüsse.

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Kaspressknödel hatten wir bei unserem Besuch in zweierlei Form. Als Einlage in der kräftigenden Suppe und danach auf einem bunten Salatteller. Der Wirtin ist es besonders wichtig, möglichst viele Bioprodukte von regionalen Produzenten zu verarbeiten. Das schmeckt man und manchmal sieht man es als Gast auch. Dann etwa, wenn eine Milchkanne mit dem Sessellift auf der Alm ankommt. Der Biobauer Jakober hat seinen Stall gleich neben der Talstation. Oder wenn Rudi Sommeregger am Donnerstag morgen auf der Alm sein Frühstück einnimmt. Kurz bevor er sein Biogemüse nämlich im Tal am Bauernmarkt verkauft, beliefert er noch die Naggleralm. Die Bioweine kommen unter anderem von Mehofer in Neudegg, die Biere aus dem Gailtal von den kleinen Privatbrauern Loncium. Alois Planner und Klaus Feistritzer haben erst dieses Jahr begonnen, ihre Produktion auf Bio umzustellen. Sie machen tolle Craftbiere mit Charakter, die auch heuer wieder viele internationale Preise gewonnen haben.

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Das Brot, das wir zur Suppe auf den Tisch gestellt bekommen haben, wird übrigens auch selbst gebacken. Unten im Tal, im Biohotel Gralhof, das Almut Knallers Bruder Michael führt, wird ein köstliches Brot aus reinen Biozutaten gebacken, das viele Speisen begleitet oder auch für die Jause als belegtes Brot auf den Tisch kommt. Das alles dient mir aber nur als dramaturgische Einleitung zum kulinarischen Höhepunkt meines Besuches auf der Naggleralm:  Es ist der Blaubeerenschmarren, der an unserem Tisch das Match gegen den Kaiserschmarren gewonnen hat. Anstatt der Rosinen bringen die dunklen Beeren zusätzlich Farbe und Aroma in diese Leckerei. Zum Teig wähle ich lieber gleich die Worte von Almut: „Der Schmarrenteig ist bei uns übrigens ein Lokalmatador. Wir verwenden für den Teig zu 90% Bioprodukte aus der Region. Dies wären: die Milch vom Jakober/Weissensee, die Eier vom DeZordo/Dellach im Drautal und das Mehl vom Weimannhof/Spittal. Die einzige Exotin im Teig ist die Vanille von Sonnentor.“

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Wenn man die Gelegenheit hat, sollte man auch einmal einem der vielen Events auf der Naggleralm beiwohnen. Almut Knaller verbindet hier gekonnt die Kulinarik mit Kunst und Kultur. Von Liedermacherabenden über Jazzkonzerte bis zu Kabarett wird der Bogen gespannt. Und wenn es mal einen Kochevent wie zum Beispiel „Chefs Unplugged“ auf der Alm gibt, dann kommen viele bekannte Köche wie zum Beispiel Josef Floh auf den Berg.

Almut Knaller

Man möge meinen, dass einem nach diesem Aufstieg und beim Ausblick auf die Alm und die Berge Richtung Nassfeld einfach alles schmecken würde. Aber es ist wohl die Mischung aus all dem, gespickt mit der Sicherheit, hier nur die besten Bio- und regionalen Speisen geboten zu bekommen, die die Naggleralm zu einem beliebtesten kulinarischen Ausflugsziele in den Alpen macht.

Naggleralm 9762 Weissensee, naggleralmut@gmail.com