Kreuzstich-Muster und Pixel haben auch einfach zuviel gemein, um das nicht zu nutzen:  Die Idee eines Stadtheurigen in Bio für die szenige Zielgruppe wird im Gschupften Ferdl derart konsquent umgesetzt, das man schon fast nicht mehr von Traditionen, sondern von Klischees sprechen will. Die Heurigenbänke, die Musik, das Essen – hier ist alles schon fast zu überdesignt und gewollt inszeniert. Das hat eigentlich nichts Uriges mehr – man sollte dabei aber nicht übersehen, dass die Qualität in allen Belangen dann eben doch passt und die Speisen ebenso überzeugen, wie die gut ausgeschilderte Bio-Qualität. Wo diese etwa bei bestimmten Getränken nicht möglich ist, setzt man auf Regionalität und Transparenz mit Schmäh.

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Pikante Krapfen

Neben Klassikern wie verschiedenen Gulaschvariationen gehört auf die Speisekarte eines Heurigen natürlich die Brettljause. Diese wird im Gschupften Ferdl in 5 Variationen angeboten, von denen zwei vegetarisch und eine vegan sind. Auf den Wunsch nach fleischloser Ernährung wird im Gschupften Ferdl ausdrücklich Rücksicht genommen und es gibt wo möglich, wie auch beim Erdäpfelgulasch, den Krapfen oder den Bauerntoasts vegetarische und teilweise vegane Varianten. Auf der anderen Seite bekommen jene, die Wurst und Fleisch mögen, diese in feinsten Variationen (Lardo-Schinken, Blunzn, Speck,…).

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Schweinsbraten

Wir entscheiden uns zur Vorspeise für zwei pikante Krapfen, Erdäpfelteigtaschen, die mit Sauerkraut und Kren-Sauce serviert werden. Einmal gefüllt mir Blunzn und einmal mit Erdäpfel-Käse-Fülle. Letztere hätte etwas mehr Geschmacksintensität vertragen, die Blunzn war wenig aufregend, aber fein. Der Schweinsbraten danach kam mit dem gleichen, leicht süßen Kraut. Die Knödel entpuppten sich als drei Scheiben Serviettenknödel und die Sauce hätte etwas mehr und dicker sein können, dafür war die Bratenscheibe angenehm weich, dick und gut gewürzt. Die Brettljause »Der fleischlose Verschwender« kam mit ordentlich viel frischem Kren, rohem Zwiebel, veganem Würstel und verschiedenen Aufstrichen und Beilagen. Bemerkenswert und gelungen war hier vor allem der Zwiebelschmelz – als Ersatz für Schmalz. Zum Abschluss gönnten wir uns noch statt Süßem einen von vier angebotenen Weinbauerntoasts, auf Empfehlung des Kellners jenen mit Speck und Bergkäse. Ein überbackenenes Brot mit ordentlich viel und herzhaftem Belag.

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Der fleischlose Verschwender

»Zum gschupften Ferdl« ist eines der Projekte von Moritz und Michael, den nicht wirklich verwandten Gebrüdern Stitch. Die Projekte der beiden können deren Marketing-Vergangenheit nicht verheimlichen und wirken streckenweise ein bisschen zu glatt und gewollt hip – lassen aber Qualität und sozialen Anspruch nie vermissen. Preislich liegt der Gschupfte Feld bei teilweise nicht riesigen Portionen über dem klassischen Heurigen-Niveau. Dafür sind die Zutaten aber auch Bio und die Qualität passt einfach. Das Lokal richtet sich an eine urbane Zielgruppe, die ein bisschen Retro-Feeling nicht abgeneigt ist – bietet aber eine gute Auswahl an Speisen und Getränken, die nicht nur optisch ansprechend angerichtet werden.   

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Weinbauerntoast

Update 2017: Das Lokal ist NICHT MEHR biozertifiziert.

Zum Gschupften Ferdl, Windmühlgasse 20, 1060 Wien

Mo-Sa 16.00 – 2.00 Uhr, heurigenbuffet@zumgschupftnferdl.at, Tel 01 9663066