Schon als ich heute nachmittags nach einer Wanderung mit der Kabinenbahn vom Asitz hinuntergefahren bin, hab ich die Forsthofalm erblicken können. Etwas unter der Mittelstation liegt das Hotel der Familie Widauer, die ich wirklich sehr gerne mag und die Entwicklung des Hotels über ein Jahrzehnt verfolgt habe. Vom Tal hinauf war die Anfahrt dann steil, kurvig und  durchwegs abenteuerlich. Als ich im Restaurant Kukka angekommen bin, hab ich sämtliche Hotelgäste beneided, die heute nicht mehr die kurvige Bergstrecke ins Tal müssen._DSC0177

Mit Ausnahme unseres Tisches handelt es sich bei den Anwesenden auch durchwegs um Hotelgäste, die abends hier ihr Menü oder eine Selektion des Angebotes vom Grill geniessen können. Die Atmosphäre des Lokales ist einzigartig. Durch die Glasfronten des weitläufigen Gastronomiebereiches, der auf mehrere Bereiche (auch die ehemalige Jagdstube des integrierten Stammhauses) aufgegliedert ist, kann man die Berge sehen und den Sonnenuntergang verfolgen. Heute nicht, aber durch die Wolken und den Regen wollen wir uns den Genuss nicht verleiden lassen.

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Das Salatbuffet (Teller um € 5,50) ist oppulent und in Vorspeisen und klassische Beilagensalate getrennt. Hier fehlen uns ein wenig die Beschreibungen um welche Salate es sich bei den einzelnen Schüsseln handelt. Unser ostdeutscher Kellner war äusserst charmant und freundlich, dies konnte aber fehlende Kompetenz bei Bier und Wein leider nicht kompensieren. Bei der Ansage „Eures kommt gleich“ wussten wir zumindest schon beim dritten Gang, daß es sich nur mehr um etwa 15 Minuten drehen könnte. Die Senior Chefin servierte auch Speisen und begrüsste Gäste, das gab dem Abend den familiären Touch, den das Hotel ausstrahlen sollte. Auch wenn es sich über Jahre zu einem gigantischen Betrieb entwickelt hat, mit dem die Zufahrtsstrasse leider bis jetzt nicht mithalten konnte.

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Aus der Küche wurden wir mit einer geräucherten Entenbrust gegrüsst, garniert mit Süsskartoffelcreme, Popcorn und Ingwercrumble. Das war nett und originell und durchwegs gutschmeckend. Der Grill, der von meinem Tisch immer im Blickwinkel gewesen war, hat aber die Aufmerksamkeit erregt und die Auswahl des Hauptganges einfach gemacht. Oder sagen wir fast. Dem Wagyu-Rind (die 200 g um € 59,50) hab ich dann doch die Bio-Variante eines Ribeyed-Dry Age Steaks  (um € 29,80) gewählt.

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Davor kam aber noch die Gurkenkaltschale, die schlichtweg sensationell war. Schön aufgeschäumt mit einem Hauch von Parmesan.

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Dann aber kamen die gegrillten Dinger, auf die wir so sehnsüchtig gewartet haben. Das Ribeye Steak und die Hirschracks (mit Pastinaken, Steinpilzen, Lauch und Süsskartoffel um € 20,90), die sogar am Tagesmenü gestanden haben. Leider waren diese an den meisten Stellen zu lange und zu nah am Feuer gewesen. Die verbrannte Kruste beeinträchtigte mit seiner Bittere den klassischen Wildgeschmack.

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Anders beim Dry Aged Rib Eye Steak. Hier passt fast alles. Gerade die Rosmarinkartoffeln, die laut Karte gemeinsam mit etwas Grillgemüse zu jedem Grillgericht gereicht werden haben Rosmarin noch nie gesehen. Da musste mit Salz nachgeholfen werden, generell wäre hier zum Beispiel ein Folienkartolffel mit Sauerrahm die bessere Lösung.

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Für das fleischlose Leben sind Speisen extra als vegetarisch gekennzeichnet. Für Veganer gibt es sogar ein eigenes Menü, deren Hauptgang an diesem Abend Wurzelgemüse Laibchen sind. Zum Desert wurde uns ein Strudel mit weisser Schokolade, Himbeere und Mohn gereicht. Der Begriff „Gedicht“ wäre für diese tolle Kombination untertrieben.

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Generell würde der Küche ein kleines bisschen weniger Schischi nicht schaden. Als Ergänzung ein paar Klassiker der heimischen Küche in vernünftiger Qualität würden mit Sicherheit auch den internationalen Gästen gut gefallen. Und bei der Qualifikation der KellnerInnen ist noch eine Menge Luft nach oben.