Ein Restaurant in Toplage, zu 100 Prozent bio und mit Gourmet-Haube vom Gault Millau – Biowirtin Cristina Rojik verspricht einiges.

Der Anspruch der Biowirtin ist nicht gerade bescheiden, nämlich „vom Guten das Beste“ zu servieren. Wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, dass Understatement auch nicht besonders gut in die Annagasse im Zentrum Wiens passen würde, wo Cristina Rojiks Restaurant liegt. Bis vor zwei Jahren trug das Lokal den Namen Weinbotschaft. Auch damals schon kamen in der Küche nur Bio-Zutaten zum Einsatz. Heute steht der Name der Küchenchefin und Inhaberin auf dem Schild über Tür. Der inzwischen nicht mehr ganz neue Name lenkt die Aufmerksamkeit stärker von der Weinkarte in die Speisekarte. Und das hat die Speisekarte durchaus verdient, auch wenn sich die Weinkarte weiterhin sehen lassen kann. Da finden sich Spitzen Bio-Weine aus Österreich und Italien. Sechs verschiedene Weißweine und sieben Rote werden im Glas ausgeschenkt. Wer vor, während oder nach dem Essen gerne Bier trinkt, findet eine Auswahl von Bio-Bieren aus dem Salzburger Brauhaus Gusswerk.

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Die Speisekarte kommt übersichtlich daher. Vier verschiedene Vorspeisen und eine wechselnde Tagessuppe, gemischter Salat in zwei verschiedenen Größen; sieben Hauptspeisen und ein wechselnder Fisch des Tages; dazu vier Dessert-Varianten, von denen eine ebenfalls täglich wechselt. „Wer saisonal und frisch kocht, kann keine lange Speisekarte haben“ erklärt Biowirtin Rojik, die gemeinsam mit ihrem Mann für die Gäste präsent ist, und deren Kochkunst im aktuellen Gault Millau erstmals mit einer Haube belohnt wird.

 

Bei unserem Besuch fiel die Wahl der Vorspeisen auf eine Waldpilz-Cremesuppe von der Tageskarte (8,50 Euro) und einen Rote Rüben-Salat (13,50 Euro). Die Suppe kam herbstlich intensiv daher. Der Salat erfrischte. Die Säure von Kapern, die Bissfestigkeit von Beluga-Linsen, die Knackigkeit von Mandeln und Sojasprossen, verbunden mit dem erdigen Geschmack Roter Rüben – ein gelungener Einstieg. Wenn auch der Eindruck bleibt, dass die Goji-Beeren in diesem Salat vor allem dazu dienen, den Preis zu rechtfertigen.

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Als Hauptgang wurden ein Steirisches Brathendl auf Erbsenpürée mit gemischten Pilzen (21 Euro) und ein Wiener Schnitzel (25 Euro) serviert. Der Gastraum füllte sich deshalb kurzzeitig von der offenen Küche her mit dem Geruch heißen Mangalitzaschmalzes – darin brät Cristina Rojik die Kalbsschnitzel. Dazu wird klassischer Wiener Erdäpfelsalat serviert. Mehr oder weniger wird nicht gebraucht. Ein solides Gericht.

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Das Steirische Brathendl vereint da schon eine Spur mehr Kreativität auf dem hübschen Steingut-Teller. Cristina Rojik bettet das außen knusprig gegarte Fleisch auf zweierlei süßen Pürées. Einmal Pastinake, einmal Erbse. Dazu gesellen sich Eierschwammerl, Champignons und Sellerie. Die intensiven Geschmäcker kommen ohne viel Kräuter-Begleitung aus. Sehr gut.

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Zum Abschluss werden Topfenknödel (11,50 Euro) und die Spezialität des Hauses serviert: Schokoladen-Mandeltorte, ohne Mehl gebacken und mit in Rotwein eingelegten Äpfel (9 Euro). Die mehllose Mandeltorte mit einem Schokoladenanteil von 80 Prozent kann auch im Anschluss an ein Wiener Schnitzel überzeugen.

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Insgesamt bleibt vom Besuch in der Annagasse 12 ein durchweg zufriedener Eindruck. Das hat auch mit der überaus herzlichen Betreuung jedes einzelnen Gastes durch Cristina Rojik und ihren Mann zu tun. Dazu kommt der ganz offensichtliche Anspruch an die Qualität des Angebots. Die Speisekarte gibt Aufschluss über die einzelnen Lieferanten der Bio-Ware, die in der Küche verarbeitet wird. Im Fall des servierten Geflügels allerdings fehlt die Angabe. Bei der Preisgestaltung, und hier gerade bei den Vor- und Nachspeisen, scheint allerdings auch die Bioqualität nicht jeden der Preise rechtfertigen zu können.

Bei Biowirtin Cristina Rojik fühlt sich Bio wie die Symbiose von Hofladen und Salon in Wiens Innenstadt an. Eine interessante Mischung. Und köstlich allemal.