Das Projekt „Luftburg = Bio“ haben wir schon seit geraumer Zeit mit großem Interesse verfolgt. Für die Biobewegung mit Sicherheit ein Meilenstein, denn: Kolariks Luftburg ist seit Jahren ein Gästemagnet. Einer der größten und beliebtesten Gastgärten der Stadt war immer knallvoll. Das Speiseangebot kam immer gut ohne Experimente aus und hat den Gästen genau das geboten, was man sich im Prater von der Familie Kolarik erwartet: Stelzen, Budweiser Bier, klassische Hausmannskost und Gemütlichkeit. Wenn auch leicht mit S-Bahn und U2 erreichbar hat Kolariks Luftburg schon auch ein bisserl was von Ausflugslokal. Man sitzt quasi im Grünen und lässt man den Lärm der hüpfenden Kinder (no na in der Luftburg) und der periodisch vorbeidampfenden Lilliputbahn mal aus, dann fühlt es sich an wie fernab der Großstadt.

Nun bin ich berufsbedingt immer ein wenig zweifelnd und auf der Suche nach den Fehlern im System – ich hätte sie erwartet: Aber ich war sehr positiv überrascht. Auch wenn meine Nachfrage ob der Biozertifizierung auch im Vorfeld eindeutig nur auf die Speisen in Kolariks Luftburg beschränkt blieb, hat mich ein Blick auf die Getränkekarte (die quasi in Form einer kleinen Litfasssäule direkt am Tisch steht, überrascht). Auch die Getränkeliste hat sich bereits bis auf wenige Ausnahmen zu Bio orientiert. Gerade beim klassischen Budweiser (das muss in einem Kolarik-Betrieb natürlich sein), den Weissbieren, den Limo-Standards wie Pepsi oder Almdudler und einigen Spirituosen bleibt man im konventionellen Bereich. Alles andere ist schon von Bio besetzt – und das ist gut so. Biere aus dem Brauhaus Gusswerk, die Bio-Linie von Hacker Pschorr (für das Münchner Tollwood kreiert und hier gut genutzt), Biofruchtsäfte von Pago, All I Need Grünteegetränke und diverse andere feine Biogetränke haben in den letzten Monaten die Getränkekarte im Prater erweitert.

Zum Start in Kolariks Luftburg: Frittatensuppe mit echter Rindsuppe

Die Auswahl der Vorspeisen beschränkt sich hier quasi auf Suppen, jenige welche mit Frittaten (€ 4,20) hat uns eher enttäuscht. Die echte Rindsuppe kam uns eher gestreckt vor. Eine klassische Rinderbrühe – ob bio oder konventionell – sollte einfach kräftiger schmecken.

Bei der Auswahl der Biere haben wir zum Start mehr Freude, das alkoholfreie Jakobsgold aus dem Brauhaus Gusswerk ist wohl eines der besten des Genres, das Helle Biobier aus der Münchner Hacker Pschorr Brauerei kann unseren Durst am sonnigen Sonntag auch gut stillen.

Schnitzel vom Hühnerfilet mit Pommes Frittes

Bei den Hauptspeisen ist uns die Auswahl schon etwas schwerer gefallen. Der fleischlosen Lebensweise der Patronin geschuldet gibt es hier nun auch tatsächlich eine vegetarische Grillplatte. Der vegetarischen Grillplatz ist auch mit Ausnahme der Hermann Bratwürsten kein guter Ruf vorausgeeilt. Obwohl zu zweit am Tisch und der Möglichkeit, dieses Genussmöglichkeit schon ab 2 Personen zu probieren, haben wir uns für einschlägige und altbewährte Hausmannskost-Hauptspeisen entschieden. Hühnerschnitzel (€14,50) und Zwiebelrostbraten (€19,50). Wenn man bedenkt, dass hier täglich mehrere tausend Gäste versorgt werden, ist die Qualität durchaus ansprechend. Auch wenn sich der Lokaltester natürlich lieber frischgeschnittene Pommes wünschen würde.

Zwiebelrostbraten mit Braterdäpfeln und einer halben Fächergurke

Dieser Art von Gross- beziehungsweis fast schon Systemgastronomie ist auch der Ablauf von Bestellung, Lieferung, Bezahlung geschuldet. Man ordert und bezahlt beim Kellner, gebracht und abserviert wird von Speisen- oder Geschirrträgern. Da ist die kritische Nachfrage oder Information vom Bedienpersonal natürlich schwierig zu bekommen. Zwei Fragen hatte ich jedoch? Von wem stammt der köstliche Quitte-Birnen Schnaps (2cl € 4), der als einziger unter den Spirituosen mit Bio gekennzeichnet ist. Der Kellner brachte mir sogleich die Flasche und ich erkannte mit dem 1310 Vodka aus Oberösterreich einen guten und wohlschmeckenden Bekannten. Die Frage ob der Herkunft des Eises konnte uns nicht beantwortet werden. Unter den angeführten Lieferanten in der Speisekarte fand sich aber auch der Name Stadler, dorthin würden wir also das Eis zuordnen. Ob dort auch die (Bio?)-Eismarillenknödel herkommen, die an den Nachbartischen serviert wurden – Es hat sich nicht herausfinden lassen. Wir haben Apfelstrudel mit einer Kugel Vanilleeis sowie den Topfenschmarrn mit Apfelmus (€ 7,80) genossen.

Die Luftburg hat sich mit dieser Hinwendung zur Bioqualität zahlreiche Siegel und Auszeichnungen verdient. Absolut. Denn mit einem Betrieb dieser Grössenordnung gilt der Betrieb damit sicher als eines der Flaggschiffe der Bewegung und findet hoffentlich zahlreiche Nachahmer, die auch auf dieses nachhaltige Konzept setzen. Wer in die Luftburg geht, weiss was ihn erwartet. Und das ist nachhaltig gut.

Kolariks Luftburg
Prater 128
1020 Wien
www.kolarik.at