Im neuen Fastfood-Restaurant von Charly Schillinger wird nicht gekleckert. Im Vintage Stil der goldenen Swing-Jahre inszeniert der heimische Vegan-Papst Burgerküche ganz ohne Tierleid.

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Zum ersten Mal hörte ich von Charly Schillinger in unserem Verlag. Wir kochten in kleinen Gruppen für uns selber, Fleisch durfte dabei nicht auf den Tisch. Aus Respekt vor den veganen und vegetarischen Kollegen. Und in deren Augen natürlich aus Respekt vor den Tieren. Das hat nicht allen gefallen und so wurde das Thema bei Tisch häufig diskutiert. Dabei wurde öfters das Gasthaus Schillinger erwähnt. Der Betrieb in Großmugl, einem unscheinbaren Dorf etwa 30 Kilometer nordwestlich von Wien war Pilgerstätte für vegane Genussmenschen. Über Wochen hinaus muss man für einen Tisch am Wochenende reservieren, hörte ich. Und die Karte unterscheidet sich nicht von einem gewöhnlichen Dorfwirtshaus. Mit der einen Ausnahme: Die Küche arbeitet ausnahmslos ohne tierische Zutaten.11595_1524581407825614_8527963320582044899_n

Bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Rüdiger Dahlke habe ich Charly Schillinger dann erstmals persönlich kennengelernt und war ob seiner Erscheinung durchaus überrascht. Dem Vorurteil, Veganer seien blasse, asketische Menschentypen, konnte der sympathische Niederösterreicher überhaupt nicht entsprechen. Ein bulliger Typ, der auch auf den neuen Swing-Kitchen Imagebildern neben seiner Frau eher wie ein Metzger, denn wie der Lieblingswirt der veganen Szene wirkt.Wenige Wochen später war ich dann erstmals in seinem Gasthaus in Großmugl zu Gast, um mehr über seine verschiedenen Projekte zu erfahren. Unter anderem hat er Großküchen bei der Umstellung zu fleischärmeren Menüs beraten. Schon damals schwelte die Idee in seinem Kopf, veganes Essen einer breiteren Öffentlichkeit zuzuführen.

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2014 sollte dann das richtige Jahr dafür sein. Das richtige Jahr für veganes Fast-Food in Wien. Die Medien sind auf den vielfach als Trend, aber doch wohl als ethischen Lebensstil zu verstehenden Zug aufgesprungen. Die sozialen Foren explodieren vor veganen Gruppen und dem Austausch interessierter Menschen. Immer mehr Lokale bieten vegane Alternativen und die meisten Kochbuchveröffentlichungen beschäftigen sich mit Kochen ganz ohne tierische Zutaten. Gut so! Aber der Charly wollte nicht kleckern und klotzte gleich mit einem tollen, ausgefeilten Konzept: Vom Interieur über die Kleidung des Personals bis zum Musikkonzept hat er sich eine durchgehende Linie entwickeln lassen. Im Stil der swingenden 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Das hat dann aber alles etwas länger gedauert und die Szene hat sich schon seit Anfang Dezember mit der Frage überschlagen: „Wann macht er endlich auf?“

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2015 ist es dann geworden, aber immerhin ist sich noch der Jänner ausgegangen. Genau am 31.1. um 11 Uhr vormittags öffnen sich zum ersten Mal die Tore der Swing Kitchen in der Schottenfeldgasse, nur einen Katzensprung von der nun so schönen Mariahilferstrasse. Ein Hotspot für Veganer also. Gleich in der Nähe befinden sich ja auch das kurz zuvor eröffnete Pirata Sushi und das Ristorante Fiore.

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Das Angebot besteht aus dem klassischen Fastfood-Konzept mit Burgern, Wraps, Nuggets, Onion Rings, Pommes und einigen Sweeties. Überall, und da kann man Charly Schillinger natürlich absolut vertrauen, wird auf tierische Produkte verzichtet. Sogar für das Cola hat man die steirische Firma Grapos gefunden, die ein eigenes Produkt entwickelte, daß auf den sonst üblichen Honig für das Cola-Coleur verzichtet. Die Konsumation wird selber an der Theke bezahlt, der Gast bekommt einen Bon für sein Menü und wird mit der Nummer gerufen, wenn seine Bestellung fertig ist. Egal ob man an den Tischen oder Stehpulten isst, oder die Papiertüte als Take-Away nimmt, es gibt keine richtigen Teller oder Gläser. Alles ist in Papier gewickelt, auf Pappschalen oder in Plastikbechern! Plastikbecher? Nein: Alles was hier wie Plastik ausschaut, ist leicht abbaubares oder recyceltes Material. Die transparenten Becher für mein bestelltes Cola sollen aus Kartoffelstärke entstanden sein.

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Ähnlich wie die Pommes, die für ein Fastfood-Lokal wirklich sehr gut schmecken und knackig serviert werden. Gemeinsam mit dem Cheeseburger, einem wählbaren Dip und einem Getränk kostet das Menü € 8,60. Ein durchaus fairer Preis, wenn man bedenkt, daß Charly Schillinger bei den meisten Produkten auch sehr auf regionale Herkunft und Bioqualität setzt. Die Buns, also das Brot, kommen allerdings aus Deutschland. Hier hat man einen Produzenten gefunden, der die Buns vegan und zuckerfrei produziert. Und das fällt angenehm auf. Speziell wenn man die süssen, labbrigen Varianten der bekannten Fastfood-Ketten nicht mag. Was in der veganen Variante natürlich schwieriger ist, ist der Käse. Und hätte mir das freundliche Personal nicht eindrücklich versichert, daß dies ein Cheeseburger ist: Geschmeckt hab ich es nicht. Dafür ist die üppige Menge an Salaten und Gemüse sehr sympathisch. Neben dem Sojaburger ist ein Chili-Tomate-Tartare, Rote Rüben, Gelbe Zwiebel, Paprika, Rotkraut, Gelbe Zwiebel, Paprika und Karotte in das Bun gefüllt.

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Auch bei den Dips verzichtet man auf Zucker und verwendet Stevia. Meine vegane Sitznachbarin, die den Vergleich zu fleischigen Laibchen schon lange nicht mehr ziehen kann, ist begeistert. Vom Biss in den Vienna Burger (mit Vegan Schnitzel) und dem Falafel Wrap.

Ich selber würde lieber aus einem richtigen Glas trinken und von einem Teller essen. Aber es ist halt ein Fastfood-Konzept und von der Swing Kitchen sollen ja noch viele entstehen. Die Zeit dafür ist reif.

Swing Kitchen, Schottenfeldgasse 3, 1070 Wien

Montag – Samstag von 11.00 – 22.00 Uhr