Das neue Kochbuch von Parvin Razavi entführt mit fantastischen Rezepten und beeindruckenden Stimmungsbildern aus Teheran in die kulinarische Welt Persiens.

Du kennst sicher auch den Moment, wenn man von kulinarischen Reizen getrieben an nichts anderes mehr, als an Essen denken kann. So schon einmal bei einer Pressevorführung des wunderbaren indischen Filmes Lunchbox geschehen. 90 Minuten wurde in diesem Film eine Liebes(?)-Geschichte in Mumbai erzählt, die sich über Essen definierte. Andauernd wurde gekocht, über Gewürze gesprochen und gegessen. Als ich gemeinsam mit den Damen des Filmverleihs und einigen anderen Journalisten und Kinobetreibern das Haydnkino um 10.45 vormittags verlassen habe, wollten wir nichts anderes mehr, als schnell zum nächsten Inder. Und gut war es.

Heute ist mit der Post das neue Kochbuch von Parvin Razavi eingetroffen. Und ganz neugierig hab ich eine anschliessende U-Bahnfahrt zum schmökern genutzt. Und wer schon einmal mit der U2 in die Seestadt Aspern gefahren ist, weiss, dass man da viel und lange schmökern kann. Zumindest hab ich die Zeit gleich genutzt, daneben eine Einkaufsliste zu machen. Denn an der persischen Küche habe ich schon oft geschnuppert. Zumeist aber privat, gastronomisch wurde ich da noch nicht so fündig. Aber nun könnte ich das alles auch mal daheim nachkochen. Was für eine Chance! Denn mit diesem Buch bricht die Autorin eine iranische Tradition, was sie schon im Vorwort eingesteht:  „Iran ist das Land der geheimen Rezepte. Sie werden wie ein wohlgehüteter Schatz innerhalb der Familie von den Großmüttern und Müttern an die Enkelinnen und Töchter weitergegeben.“ An diesem wohlgehüteten Schatz darf ich und die Leser nun teilhaben.

In 92 Rezepten plus einigen Getränkemischanleitungen werden auf über 260 Seiten nicht nur Rezepte (fotografiert von Arnold Pöschl) sondern auch das heutige Lebensgefühl in der iranischen Hauptstadt vermittelt. Mehrere Wochen war Parvin Razavi mit der Fotografin Gersin Livia Paya in Teheran unterwegs. Die imposanten und farbenfrohen Aufnahmen von Märkten, Palästen, Restaurants und Plätzen vermitteln Eindrücke, wie wir sie in Österreich von dieser Stadt selten bekommen können.

Viele der Zutaten, die man für die Rezepte benötigt, sind mittlerweile mitteleuropäische Standards bzw auf Märkten leicht zu bekommen (Basmatireis, Safran, Kurkuma, Granatapfel, Sauerkirschen uvm), sogar das von mir zuvor noch nie gehörte Gewürz Sumach hab ich am normalen Bauernmarkt erstanden. Für den Musir (wilder persischer Knoblauch) werde ich heute wohl entweder bei meinem iranischen Nachbarn klopfen oder nächste Woche mal in einem iranischen Supermarkt in Wien wühlen. Das Maast-o-Musir muss also noch ein wenig als Beilage warten.

Ich hatte das Glück, mit Parvin schon einmal gemeinsam kochen zu dürfen und schon öfters mal von ihr bekocht worden zu sein. Das Buch unterstreicht die Leichtigkeit, die sie dabei immer versprühte. Die Gerichte sind manchmal zeitaufwendig (zB Schmorgerichte) aber niemals wirklich schwierig in der Zubereitung. Im Anhang befindet sich ein aufschlussreiches Glossar und ein mehrfach gegliedertes Register, daß die Suche vereinfacht. In kurzen Texten werden auch die traditionellen medizinischen Aspekte der persischen Küche erläutert. Ich mag das Buch und über die nächsten Wochen wird es in  meiner Küche daheim wohl etwas anders riechen. Frei nach Parvin Razavis Motto:

Essen verbindet & Kochen ist Liebe 

Teheran – Die Kultrezepte  (Christian Verlag 2018 / 272 Seiten) € 29,90

Text & Rezepte: Parvin Razavi  Fotos: Arnold Pöschl & Gersin Livia Paya